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Herdenbetreuung

Was ist integrierte tierärztliche Bestandsbetreuung – ITB?

Was ist integrierte tierärztliche Bestandsbetreuung – ITB?

Mitte der 90er Jahre wurde der Begriff „integrierte tierärztliche Bestandsbetreuung“ (ITB) im deutschsprachigen Raum vom Arbeitsbereich für Bestandsbetreuung und Bestandsdiagnostik an der Tierärztlichen Hochschule Hannover geprägt. Demnach umfasst die ITB die kontinuierliche, systematische Tätigkeit des Tierarztes mit den Zielen, die Gesundheit und die Leistungsfähigkeit der Tiere, die wirtschaftliche Situation des Betriebes, die Qualität der tierischen Produkte und letztendlich die Berufszufriedenheit des Betriebspersonals zu steigern (KRINN, 2004; de KRUIF et al., 2007).

In Amerika steht der Begriff der „production medicine“ für eine kurative und präventive tierärztliche Tätigkeit, welche die Beratung in Ökonomie und Management mit einem integrierten Tiergesundheitsprogramm verbindet. Der Hoftierarzt wird im Rahmen der ITB also zum Controller. So erlangt er einen entsprechenden Einblick in den Produktionsprozess. Er versorgt den Betriebsleiter mit Fachinformationen und richtet in Zusammenarbeit mit ihm Planungs- und Kontrollsysteme ein, um gemeinsam das primäre Ziel, die nachhaltige Verbesserung der Milchproduktion, zu erreichen (de KRUIF et al., 2007; FRIEWALD, 2010).

Wie wird es optimal praktiziert?

Wie wird es optimal praktiziert?

In der integrierten tierärztlichen Bestandsbetreuung gilt es nach der Status-quo Bestimmung, Hauptziele zu definieren, Kontrollpunkte festzulegen, ein Dokumentationssystem einzurichten und nach einer periodischen Datenauswertung „Soll-Ist Vergleiche“ anzustellen und auf diese adäquat zu reagieren, um die Hauptziele zu erreichen.

Die erfolgreiche tierärztliche Bestandsbetreuung stützt sich de KRUIF et al. (2007) auf fünf Grundregeln:

  1. Strategisches Vorgehen
    ITB ist eine zeitintensive Tätigkeit, höchstmögliche Effizienz soll angestrebt werden. Andernfalls kann die ITB für den Landwirt schnell zu teuer werden bzw. für den durchführenden Tierarzt nicht umsetzbar sein.
     
  2. Konsequenz
    Untersuchungen (z.B. Trächtigkeitsuntersuchungen) sollen nur dann durchgeführt werden, wenn deren Ergebnisse im Falle abweichender Befunde auch zu Konsequenzen führen.
     
  3. Betriebsspezifität
    Verwendung von betriebsspezifischen Betreuungsprogrammen, nicht alle Betriebe über einen Kamm scheren.
     
  4. Richtige Mitarbeiterauswahl
    ITB ist nur sinnvoll, wenn sie dauerhafter Bestandteil der Praxistätigkeit ist. Sie erfordert oft einen langen Atem, den sollte auch der für die ITB zuständige Mitarbeiter haben. Der für die ITB zuständige Mitarbeiter soll neben guten klinischen Kenntnissen auch über spezielle Kenntnisse über Haltung, Fütterung, landwirtschaftlichen Betriebswirtschaft und Datenverarbeitung verfügen.
     
  5. Gleichrangigkeit
    Notfallpraxis und ITB müssen gleichrangig sein. Vereinbarte ITB-Termine müssen eingehalten werden. Der ITB zuständige Mitarbeiter muss sich voll auf seine Arbeit konzentrieren können und genügend Zeit für Datenerfassung, -aufbereitung, -auswertung usw. zur Verfügung haben.

Welche Voraussetzungen sind nötig?

Welche Voraussetzungen sind nötig?

Um eine integrierte tierärztliche Bestandsbetreuung durchführen zu können braucht man das, was Tierärzte nicht haben – nämlich ausreichend Zeit. Zeit für Betriebsbesuche, Status-quo Erfassungen, Problemanalysen, die Strategieentwicklung und das Erstellen von Aktionslisten. Die ITB und die Notfallpraxis müssen im Praxisalltag gleichrangig sein. Zudem sind neben geschulten Mitarbeitern auch EDV-technische Voraussetzungen zur Datenerfassung, - aufbereitung und -auswertung von Bedeutung.

 

 

 

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